Familie Hafner

Herr und Frau Hafner mit Kind auf dem Sofa sitzend

Beruflich wie privat setzt die Familie Hafner auf frische Waren und kurze Wege, auf Bauholz aus heimischen Wäldern, auf Gemüse aus der Region – oder auf kurze Reisen: «Wir machen lieber Ausflüge in die nähere Umgebung als möglichst weit weg zu fliegen».

Wer sich im Alltag erholt, gewinnt Lebensqualität

Einen Christbaum besorgen sich Gabriella, Matthias Hafner und ihr Sohn Lukas wie jede andere Familie zwar nur einmal im Jahr, den holen sie sich aber selber aus dem Wald. Jeweils vor Weihnachten pilgern sie ins Gehölz eines befreundeten Waldbesitzers, suchen sich ihren Baum aus, braten eine Wurst und warten, bis der Säger seine Arbeit getan hat. Gabriellas Verbindung zum Wald ist gross, denn sie ist Verwaltungsratspräsidentin der Raurica Holzvermarktung AG, die den Rohstoff unzähliger Waldbesitzer aus der Nordostschweiz verkauft. Das Unternehmen beliefert etwa das Holzheizkraftwerk Basel mit Holzschnitzeln oder Sägewerke mit Buchenholz, das zu Baumaterial verarbeitet wird.

Brotbäume aus der Schweiz

Gabriella Ries Hafner arbeitete früher bei einer Schweizer Privatbank als Nachhaltigkeitsanalystin. Ihre Überzeugung für ökologisches Wirtschaften kann die Umweltwissenschafterin heute stärker in ihre Arbeit einbringen: «In der Raurica suchen wir laufend nach neuen Wegen. So wollen wir aus unserem Brotbaum, der Buche, hochwertige Bauelemente für den Hochbau entwickeln.»

Auch Matthias Hafner beschäftigt sich mit Rohstoffen. Beim Schweizerischen Verein des Gas- und Wasserfaches ist er zuständig für alle Belange rund ums Gas. Der Verein setzt die Standards für Qualität, Technik und Arbeitssicherheit, denen alle Gaswerke entsprechen müssen. Matthias leitet die entsprechenden Kommissionen, die Neuerungen ins Regelwerk aufnehmen, und er sucht neue Verwendungsmöglichkeiten etwa für Biogas.

Tangotanz und Ziegenwurst

Auch wenn Gabriella, Matthias und ihr Sohn Lukas frei haben, sind sie oft im Wald anzutreffen. «Unsere Freizeit ist unspektakulär», sagt Gabriella Ries Hafner. «Wir machen gerne Ausflüge in die nähere Umgebung oder besuchen einen Tangokurs, als dass wir mit viel Aufwand möglichst weit weg fliegen». Der Familie Hafner ist der Bezug zu ihrer näheren Umgebung wichtig – vor allem auch bei der Ernährung. An den Samstagen geht es meistens zum nahen Matthäusmarkt. Dort halten sie einen Schwatz mit Nachbarn und kaufen beim Bauern frisches Gemüse, Salate, Milch und Fleisch ein. Hafners schätzen den direkten Kontakt zu den Produzenten, weil sie wissen wollen, wie hergestellt wird, was sie essen. So besuchen sie manchmal die jungen Ziegen auf dem Hof, aus denen später einmal Würste gemacht werden, oder sie helfen bei der Zwetschgenernte mit. Die Hafners wohnen gerne in der Stadt, aber mit der Velofahrt zum Bauernhof können sie ihre Liebe zum Landleben und zur Natur auskosten.

Zurück in ihre geräumige Viereinhalbzimmer-Mietwohnung in Kleinbasel kommen sie immer gerne. Das Haus mit Baujahr 1979 ist zwar keine Augenweide, aber es liegt gut: Grosse Fenster gegen Süden bringen Licht in die Wohnung und der Rhein ist nah. In fünf Minuten ist man zu Fuss am Ufer. Zur Arbeit und in den Kindergarten fahren sie mit dem Velo und wenn sie von Verwandten nach Deutschland eingeladen werden, mieten sie ein Auto oder sie besteigen den Zug. Fliegen müssen sie nicht jedes Jahr, denn sie schätzen es sehr, dass ihre Form der Erholung in den Alltag eingebettet ist. Für sie bedeutet das Lebensqualität.

Balkendiagramm zum Energiekonsum der Familie Hafner verglichen mit dem Konsum Schweiz

Energiekonsum in Watt pro Person und Jahr der Familie Hafner im Vergleich zum Schweizer Durchschnittsverbrauch

Tauschbare Kinderhosen

Frau Hafner mit einem Arm voller Kinderkleider in ihrem Wohnzimmer stehend.

Gabriella Ries macht sich auch im Alltag Gedanken über unser Wirtschaften. Sie ist besorgt darüber, dass immer schneller immer grössere Mengen von Dingen auf den Markt kommen. Als Mutter stört sie, wie Eltern dazu verführt werden, ihren Kindern ständig neue Markenkleider oder Spielsachen zu kaufen. Da macht sie nicht mit: Pullover und Hosen für Lukas kauft sie meistens in der Kleiderbörse und gibt sie nach Gebrauch wieder dahin zurück. Die Frage nach dem richtigen Mass stellt sich auch die Stadt Basel.

Hart wie Beton

Profilansicht von verleimten Buchenholzbrettern

Buchenholz eignet sich in verleimter Form hervorragend für den Holzbau, insbesondere auch für mehrgeschossige Gebäude. Buchenholz ist sehr fest und kann deshalb ein Haus tragen, ausserdem ist es leichter als Beton und wie alle Holzsorten wächst es nach. Mit seinem Einsatz im Bau kann gegenüber anderen Baustoffen viel Energie eingespart werden, weil es in der Herstellung weniger Energie braucht und weil es nach Abbruch eines Holzhauses als Energielieferant genutzt werden kann. Die Muttergesellschaft der Raurica Holzvermarktung AG, die Raurica Wald AG, fördert und entwickelt Buchenholz als Baustoff. Vermehrt sollen in der Schweiz Buchenplatten und Verbundelemente aus Buche und Nadelholz zum Einsatz kommen.

Ein Biotop im Kleinbasel

Marktstände mit Gemüse und Menschen, die einkaufen.

Jeden Samstag bieten Produzentinnen und Produzenten bei der Matthäuskirche im Kleinbasel Obst und Gemüse aus der Region, Brot, das auch nach ein paar Tagen noch nach Brot schmeckt, oder Salami und Speck von glücklichen Tieren an. Im Frühling, wenn der Bärlauch spriesst, nach der Kirschenernte im Sommer oder vor Weihnachten öffnet sich der Markt für spezielle saisonale Produkte. Vorteile: Die Ware ist stets frisch und die Transportwege sind kurz. Der Matthäusmarkt wird von engagierten Leuten aus dem Quartier getragen und hat sich zum bekannten Treffpunkt entwickelt.